Was uns interessiert.

 S1. Integrierte Quartiersentwicklung 

Unsere heutigen Siedlungsräume sind das Resultat komplexer Verstrickungen von kulturellen und sozioökonomischen Umwälzungen, aber auch die Folge eines sich verändernden Mobilitäts- und Migrationsverhaltens. Fragestellungen zu einer nachhaltigen Transformation unserer Räume und Lebensweisen abseits eines kontinuierlichen Wachstums sind inzwischen in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Die Finanz- und Energiekrise, wirtschaftliche Unsicherheit und der demografische Wandel wie auch der schleichende „Abschied“ vom Wohlfahrtsstaat sind nicht nur temporärer Natur, sondern fordern vielmehr eine radikale Neuinterpretation unseres Lebens-, Arbeits- und Fürsorgesystems ein. Neue und vielfältige Akteure treten auf den Plan, um soziale und kulturelle Aufgaben in der Raumentwicklung zu übernehmen. Ebenso formt sich der Anspruch, materielle (Wasser, Energie, Abfall, Nahrung) und immaterielle (lokales Wissen, soziale Ökonomie, lokale Kultur, Selbstbau) Güter in ein integriertes System mit geschlossenen und lokalen Wertschöpfungszyklen auf unterschiedlichen Maßstabsebenen zu überführen.

 S2. Transformation und Innenentwicklung 

Komplexe Transformationsaufgaben liegen an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen und beschäftigen sich mit deren räumlichen, sozialen, technischen und ökonomischen Wechselwirkungen. Dabei gilt es, die heterogenen, teilweise widersprüchlichen Ansprüche und Interessen der entwerfenden Disziplinen, aber auch die der Auftraggeber, der Eigentümer und insbesondere der Nutzerinnen und Nutzer an den Raum immer wieder neu zu verhandeln.
Differenz und Reibung und die Parallelität von räumlich und zeitlich unterschiedlichen Entwicklungsdynamiken sind gleichzeitig Herausforderung und Potenzial und erfordern neue Verfahren und Methoden in der räumlichen Planung, die über unsere gängigen Werkzeuge hinausgehen.
Um das Palimpsest unserer Siedlungsstrukturen fortschreiben zu können benötigen wir prozessuale, kommunikationsorientierte Entwicklungsstrategien, die auf den Genius Loci aufbauen und sich mit differenzierten räumlichen Organisationsmustern und Synergiewirkungen auseinandersetzen. Endogene Potenziale gilt es weiterzuentwickeln, neu zu interpretieren, zu verknüpfen und zu ergänzen, neue Programme zu implementieren oder spannungsvoll entgegenzusetzen. Gleichzeitig können Kräfte und Energien geweckt werden, wenn eine langfristige und gemeinschaftlich getragene Vision ganz unterschiedlicher Akteure die Transformation begleitet.

 S3. Stadt- und Freiraumentwicklung 
Architektur und Stadtplanung berühren alle sozialen und kulturellen Ebenen unserer Gesellschaft. Umso mehr haben sie die Aufgabe, räumliche Lösungen und identifikationsstiftende Orte für lebenswerte und zukunftsfähige Städte und Nachbarschaften zu schaffen. Flächennutzung, Mobilität und Verkehr, Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen sowie Frei- und Grünraumplanung müssen strategisch und im gesamtgesellschaftlichen Kontext entwickelt, Gebäude und öffentliche Räume entworfen und in nachhaltige, ressourcenschonende Wertschöpfungsprozesse eingebunden werden. Die urbane Produktion und eine sozial gerechte, ganzheitliche Raumentwicklung sind aber nicht nur ein Geschäft von planenden Expertinnen und Experten. Vielmehr sind sie das Ergebnis von Aushandlungsprozessen und einer intensiven Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure.
Zukünftig wird es also immer wichtiger werden, neben den formellen und informellen Planungsmethoden und -instrumenten neue Wege einzuschlagen, die Bürgerbeteiligung neu denken und Stadtentwicklung als Prozess zwischen Festlegung und Ermöglichung, zwischen Zurückhaltung und Radikalität versteht.