S1 . Integrierte Quartiersentwicklung 

Die Stadt von der anderen Seite sehen, Schauspiel Köln

PROZESS process
Ort, Jahr location, year: Köln/ Cologne, 2015-2017


1. Stadtquartiere WEITER DENKEN. Nachhaltige Quartiersentwicklung, Biberach/ Riss

PLANUNG planning
Ort, Jahr
location, year: Biberach an der Riss, 2012-2013

2. Nospolis. Räume gemeinsamer Zukünfte
FORSCHUNG research
Jahr
year: seit/ since 2013

3. Nachhaltige Stadt Leutkirch
FORSCHUNG research

Ort, Jahr location, year: Leutkirch, 2012-2013

4. KALKschmiede*
PROZESS process
Ort, Jahr location, year: Köln/ Cologne, 2009-2010

5. Unscharfe Grenzen. Nutzungsoffene Zwischenräume in urbanen Projekten als Motoren und Stabilisatoren nachhaltiger Stadtentwicklung
FORSCHUNG research
Jahr
year: 2009-2010


 1. Stadtquartiere WEITER DENKEN. Nachhaltige Quartiersentwicklung,
 Biberach/Riss 

PLANUNG planning



Ort, Jahr location, year: Biberach an der Riss, 2012-2013
Projektgebiet project area: 11 ha
Auftraggeber client: Stadt/ City of Biberach an der Riss
Team team: bueroschneidermeyer, Stuttgart und/ and Köln/ Cologne
Akteure agents: Gemeinnützige Baugenossenschaft Biberach + Genossenschaft für Wohnungsbau Oberland eG (GWO) Laupheim + e.wa riss, Biberach





Die Frage nach zukunftsfähigen Wohnungsangeboten spielt eine zentrale Rolle für jede Stadtentwicklungspolitik. Gerade die Bestände der 1950er bis 1970er, aber auch der 1980er Jahre erfordern hierbei  neue Konzepte des Umbauens, Umnutzens und Ergänzens im Bestand. Eine energetisch/ technische Gebäudesanierung muss in innovative städtebaulich/ quartiersorientierte Entwicklungskonzepte eingebettet werden um Standorte für die Zukunft zu sichern – oder unter neuen Vorzeichen wieder attraktiv zu machen. Nachhaltige Entwicklung kann dabei eine Bandbreite von Bedeutungen haben: vom Leitbild der „Stadt der kurzen Wege“, der Reduktion des Heizenergiebedarfs, über die Nutzung regenerativer Energien bis hin zu gendersensiblen Planungen und Partizipationsprozessen. Ziel muss es daher sein, bereits in der ersten Projektphase einen integrierten Planungsprozess anzulegen, in dem stadtplanerische genauso wie typologische, gebäudetechnische genauso wie wohnungswirtschaftliche Aspekte in angemessener Weise Niederschlag finden.



Zu diesem Zweck ist von der Stadt Biberach eine Untersuchung des Standortes Widdersteinstraße/ Hochvogelstraße in Auftrag gegeben worden. Ziel der Studie ist, mit der systematischen Betrachtung eines Bestandsgebietes aus den 1960er bis 1970er Jahren die Grundlagen für anschließende Entwicklungsplanungen an dem Standort selbst, aber auch in anderen Wohngebieten mit ähnlicher Ausgangslage zu liefern. Eine städtebauliche Gesamtbetrachtung des Quartieres wird dazu mit der beispielhaften Untersuchung eines Einzelgebäudes verknüpft, Fragen der wohnungswirtschaftlichen Transformationsmöglichkeiten gleichrangig mit Aspekten der Freiraumentwicklung oder neuen Möglichkeiten der energetischen Versorgung gesehen. Ausgewählte Eigentümer und an der Quartiersentwicklung beteiligte Akteure werden in den gesamten Prozess eingebunden. Eine Analyse und Veränderungsszenarien für den Standort, aber auch ein Kompendium ausgewählter Beispiele „Guter Praxis“ dienen dazu, dass sich die Beteiligten in mehreren Planungstischen über mögliche Zukünfte austauschen und ihre Interessenslagen abgleichen.



Die Zusammenstellung dient als Annäherung an Gebäude- und Wohnstandards im Bestand und kann als Grundstein für fortführende Überlegungen innerhalb der Verwaltung dienen.

Publikationen publications
Die Broschüre ist im Stadtplanungsamt, Museumstr. 2, Zimmer 4 erhältlich.


 2. Nospolis. Räume gemeinsamer Zukünfte 
FORSCHUNG research


© Jörn Gertenbach/ Urban Catalyst Studio

Jahr
year: seit/ since 2013
Institution institution: Bergische Universität Wuppertal/ University of Wuppertal,
Lehrstühle Landschaftsarchitektur + Konstruieren und Entwerfen +
Ökonomie des Planens und Bauens + Architekturgeschichte und -theorie/ Departments for Landscape Architecture + Construction and Design + Economy of Design and Construction + History and Theory of Architecture
Partner partner: Wir sind Dorf e.V., Landesinitiative StadtBauKultur NRW, Robert Bosch Stiftung
Team team: Klaus Overmeyer, Christoph Schlaich

Der gemeinschaftliche Bau von Wohnungen hat sich in vielen Städten längst etabliert. Darüber hinaus bilden sich zunehmend Zusammenschlüsse von mehreren hundert Menschen, die nutzergetragenen Quartiere neu entwickeln oder bestehende Nachbarschaften umbauen möchten. Mehr als um die Deckung des reinen Wohnbedarfs geht es dabei um integrale Formen des Zusammenlebens, die das Wohnen sowie die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, kleinräumige Produktion, räumliche Nähe, lokale Kreisläufe sowie kommerzielle und zivilgesellschaftliche Ökonomien miteinander verbinden.

Nospolis thematisiert die Bedingungen und Potenziale dieser neuen städtischen und ländlichen Gemeinschaften. Es geht der Frage nach, wie in der kollektiven Entwicklung von Quartieren Raum, Infrastruktur und Verantwortung geteilt werden können, um eine auf expansivem Wachstum und hohem Ressourcenverbrauch beruhende Stadtentwicklung zu überwinden. Nospolis steht für eine Baukultur der Ko-Produktion und der praktischen Teilhabe an der Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes als Teil einer zellulär entwickelten Raumstruktur.


© Tom Unverzagt

Ein Symposium bildet den Auftakt zum Forschungsfeld Nospolis an der Bergischen Universität Wuppertal, das diese neue Art des gemeinsamen Stadtmachens transdisziplinär untersuchen und begleiten will. Es widmet sich in drei Schwerpunkten der kollektiven Nutzung von Gütern, der Verbindung von lokalen Nachbarschaften und gesamtstädtischen Strategien sowie der Rolle von Architektur und Ästhetik in ko-produktiven Planungsprozessen.

Stadt der gemeinsamen Güter

Die Nutzung gemeinsamer Güter hilft, die bislang gängigen Modelle von Ressourcenverbrauch und Wachstum zu überwinden. Raum, Infrastruktur und Verantwortung bei der Entwicklung von Quartieren zu teilen ist nicht ideologisch geprägt, sondern folgt pragmatischen Bedürfnissen und Erfahrungen. Damit verbunden sind mehr Lebensqualität und individuelles Wohlbefinden.
Die klassische Allmende schafft Vorteile ohne einzuschränken. Nach Elinor Ostrom und ihrer Allmende-Forschung spielen lokale Kreisläufe und endogene Potenziale von Gemeinschaften eine große Rolle. Dazu zählen beispielsweise ein hohes Maß an Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln oder individuelle Kompetenzen, die der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Aber auch Rechte und Pflichten der Mitglieder von Gemeinschaften und deren Organisationsformen wirken sich entscheidend auf Prozesse des Teilens von gemeinsamen Gütern aus.
Aus Perspektive der Stadtentwicklung geht es darum, wie wir künftig in der Stadt gut leben können. Dabei gewinnen Fragen nach den Bedingungen der Bodennutzung und -ökonomie, den Grenzen zwischen Privat und Öffentlich, nach Verdichtung und Multifunktionalität an Bedeutung.

Welche Konsequenzen hat die Stärkung des WIRs nach Jahrzehnten der Individualisierung für die Ausprägung städtischer Nachbarschaften und die Gestaltung unserer Lebensumgebung?

Wie wird in solchen Projekten das Ziel wirtschaftlichen Wohlstands eingeschätzt bzw. durch andere Ziele substituiert? Wie wird der Begriff der Lebensqualität neu definiert?


Urbanismus der Zellen

In der Phase der Globalisierung haben wir uns daran gewöhnt, über Raum und Distanz anders zu denken und zu empfinden als zuvor. Inzwischen merken wir, dass der Konsum südafrikanischer Weintrauben und der Kauf von T-Shirts aus Bangladesch nicht nur eine Frage der Machbarkeit und des Marktes ist.
Neue Raumordnungsmodelle entdecken die Potenziale städtischer Lebenswelten in einer re-lokalisierten Gesellschaft: lokale Kreisläufe und Ökonomien werden gestärkt und multifunktionale Räume für die
Mischung aus Kultur, Handwerk, Dienstleistung und Wohnen ermöglicht. Darüber hinaus werden nutzergetragene Projekte gefördert und neue Modelle für die Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Lebensformen entwickelt.
Der Urbanismus der Zellen folgt dem Prinzip der Akkupunktur: die gezielte Aktivierung strategischer Orte und deren gesamtstädtische Wirkung bedingen einander. Nospolis verbindet die Aktionsräume des gemeinsamen Stadtmachens mit gesamtstädtischen Planungsstrategien. Die kontinuierliche Rückkopplung zwischen kleinem und großem Maßstab wird zur Ressource für Teilhabe, Selbsterneuerung und Krisenresistenz der kommenden Stadt.

Welche Rückkop
pelungen und Verbindungen ergeben sich aus der Stärkung von nutzergetragenen Quartieren für die Gesamtstadt?

Wie könnten Wechselwirkungen zwischen Nospolis-Zellen gestaltet werden?

Wie kann die Kopplung von Systemen des ressourcenschonenden Wirtschaftens, der Selbstbestimmung und Teilhabe, der Ökologie und neuer Mobilität Stadtzellen zu Katalysatoren eines nachhaltigen Wandels machen?


Ko-produktive Raumstrategien

Nospolis zeichnet sich durch eine neue Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Räumen aus, sowohl im Neubau als auch im Umbau von Bestehendem. Der Maßstab sind das Quartier und das Interesse vieler an einer reichhaltigen Nachbarschaft. Der Flächenverbrauch durch Wohnungen wird zugunsten von multifunktionalen und gut ausgestatteten gemeinschaftlichen Räumen reduziert. Das können ein Badehaus, eine Kinderspielhalle, ein Restaurant oder kollektive Lagerflächen sein.
Es gilt, durch eine möglichst hohe Dichte wenig Raum zu verbrauchen, gleichzeitig aber ein Maximum an Nutzungsvielfalt und Nähe zu ermöglichen sowie Freiraum für Austausch, geänderte Lebensstile und neue Arbeitsfelder zu schaffen. Die damit verbundenen Architekturen erfordern eine Neuinterpretation der tradierten Nutzungsfestlegungen. Sie sind weniger autonomer Entwurf eines Einzelnen als vielmehr Produkt eines nutzergetragenen Prozesses. Indem die Menschen eines Quartiers ihre eigenen Vorstellungen und Projekte einbringen, werden sie zu Ko-Produzenten von Stadt und Raum. Architekten werden damit keineswegs überflüssig; vielmehr wird ein neues Verständnis von Raumproduktion und -ästhetik notwendig, das potenziell den Handlungsspielraum des Planers verlagert bzw. erweitert.

Wie können eine hohe Dichte, Öffentlichkeit und Nutzungsvielfalt gestaltet und gleichzeitig die Ansprüche an Individualität und Komfort gesichert werden?

Welche Gestaltungstypologien gibt es für hybride Räume?

Welche Planungswerkzeuge organischer Wachstumsprozesse erzeugen hohe Gestaltungsqualität?

Publikationen publications
Bergische Universität Wuppertal: Dokumentation des Symposiums am 7.2.2014.
Utopiastadt #5/ Clownfish Statement Magazine vom 27.05.2014, S. 17. | PDF

Veranstaltungen
events
Symposium „Nospolis. Räume gemeinsamer Zukümfte“ am 7.2.2014 an der Bergischen Universität Wuppertal/ Symposium „Nospolis. Spaces for collective futures“ on February 7th 2014 at the University of Wuppertal

Referenten speaker
Silke Helfrich, Jena (D) / Elke Krasny, Wien (A), Tobias Goevert, London (GB) / Judith Lösing, London (GB) / Philipp Misselwitz, Berlin (D) / Georg Franck, Wien (AT) / Andreas Krauth, Berlin (D)Stanica Zilina, Zilina (SK)


 3. Nachhaltige Stadt Leutkirch 

FORSCHUNG research




Jahr year: 2012-2013
Auftraggeber client: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)/ Federal Ministry of Education and Research
Programm programme: Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA)/ Research for Sustainable Development - ZukunftsWerkStadt
Institution institution: Hochschule Biberach/ University of Applied Sciences Biberach, Institut für Architektur und Städtebau + Institut für Gebäude- und Energiesysteme + Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Betriebswirtschaft/ Institute for Architecture and Urban Planning + Institute for Energy and Building Systems + Department for Energy and Business Economics
Partner partner: Stadt/ City of Leutkirch im Allgäu + Universität/ University of Bremen
Team team: Ute Margarete Meyer

In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass der Klimawandel ein weitreichendes Umdenken im Planen, Bauen und Sanieren erforderlich macht. Nach einer ersten Phase der Ertüchtigung des einzelnen Gebäudes gewinnt das Instrument der energetischen Quartiers- und Stadtsanierung zunehmend an Bedeutung.
Die städtebauliche Betrachtungsweise ermöglicht es, die vielfältigen, zum Teil widerstreitenden Ansprüche auszubalancieren, die sich an eine zukunftsfähige Weiterentwicklung unserer Wohn- und Stadtquartiere knüpfen. So kann beispielsweise eine energetische Sanierung des Bestandes innerhalb einer Nachbarschaft besser sozialverträglich gestaltet werden indem Wert-, aber auch Mietpreissteigerungen differenziert entwickelt werden. Auch die Versorgung mehrerer Haushalte durch Nah- und Fernwärmenetze, das effizientere Einsetzen einer Kraft-Wärme-Kopplung oder eine energetische Kompensation zwischen Alt- und Neubauten kann helfen, den Primärenergiebedarf im Quartier zu reduzieren, wo – beispielsweise durch Denkmalschutz – Grenzen in der Sanierung bestehender Gebäude gesetzt sind.

Leutkirch im Allgäu, eine von fünfzehn im Rahmen der Initiative ZukunftsWerkStadt vom Bundesforschungsministeriums (BMBF) geförderten Kommunen, hat bereits 2011 ein Leitbildprozess unter dem Titel „Nachhaltige Stadt Leutkirch“ angestoßen, in dem Bürgerinnen und Bürger gefordert waren, für die Stadt dauerhafte Zielvorgaben einer verantwortungsbewussten Stadtentwicklungs- und Energiepolitik mitzugestalten. Fünf Bürgerveranstaltungen zu den Themen Landschaft und Flächenverbrauch, Gebäude, Städtebau, Mobilität sowie neue Beteiligungsformen bildeten die Grundlage für ein Energie-Leitbild, das im Oktober 2012 von der Stadt Leutkirch verabschiedet wurde.



ZukunftsWerkStadt

Darauf aufbauend wurden im Rahmen der ZukunftsWerkStadt zwei strukturell unterschiedliche, jedoch exemplarische Gebiete im Hinblick auf städtebauliche Potenziale, aber auch neue Möglichkeiten der Energieversorgung und -einsparung untersucht. Ausgewählt wurden ein räumlich wie sozial homogen strukturiertes Wohnquartier aus den 1980er Jahren – die sogenannte Bleiche – Bleiche sowie die dörflich geprägte Ortschaft Diepoldshofen.
In engem Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern wurden Konzepte für gemeinschaftliches Handeln diskutiert und Denkweisen aufgezeigt, die über die eigene Immobilie hinaus eine zukünftig stabile Entwicklung für die Nachbarschaft im Blick haben. Ebenfalls wurden Energieversorgungsszenarien skizziert, die aus den faktischen Randbedingungen jedes Standortes machbar scheinen, gleichzeitig aber auch zum Charakter des Gebietes und der Identität seiner Bewohner passen. Die entwickelten Bausteine beziehen sich demnach spezifisch auf die beiden Standorte. Gleichzeitig haben sie modellhaften Charakter und können potenziell auch auf andere Quartiere übertragen werden.



Konzeption


Die ZukunftsWerkStadt wurde als zweistufiger Prozess konzipiert, der parallel an den beiden Standorten durchgeführt wurde.
In einem ersten Schritt wurde ein umfangreicher Fragebogen erstellt, in dem konkrete Fragen nach dem Sanierungsstand, der gegenwärtigen Wärmeversorgung oder den Energiekosten gestellt wurden. Daran gekoppelt waren weiterreichende Themen wie Vorstellungen zu künftiger Wohnqualität oder Versorgungsansprüchen. Die Fragebögen wurden an alle Haushalte der beiden Untersuchungsgebiete verteilt und ausgewertet.
In der zweiten Phase wurden an beiden Standorten jeweils zwei Bürgertische durchgeführt. Die Fachimpulse der Hochschulvertreter und Diskussionen mit der lokalen Bürgerschaft wurden ergänzt durch neue Prozesswerkzeuge, die im Rahmen des Projektes entwickelt und erprobt werden konnten. Szenarien, welche die maximal möglichen Potenziale für den jeweiligen Standort aufzeigten oder Themen- und Aktionskarten, mit denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmte Maßnahmen positiv oder negativ werten konnten, spielten hier eine Rolle.
Neben den Veranstaltungen, die sich direkt an die lokalen Akteure richteten, wurde durch eine gemeinsame Auftakt- und Abschlussveranstaltung eine breitere Öffentlichkeit hergestellt und die Bürgerinnen und Bürger Leutkirchs über den Prozessverlauf informiert. Ziel war unter anderem, auch an weiteren Standorten Interesse für gemeinschaftliches, ggf. selbst organisiertes Handeln im Hinblick auf eine nachhaltige Zukunftsentwicklung zu wecken.



Veranstaltungen
events
Bürgerworkshops in den Ortsteilen Bleiche und Diepoldshofen im November 2012 und Januar 2013/ Public participation workshops in the neighbourhoods Bleiche and Diepoldshofen in November 2012 and January 2013


 4. KALKschmiede* 
PROZESS process



Ort, Jahr location, year: Köln/ Cologne, 2009-2010
Projektgebiet
project area: Stadtteil/ Neighbourhood Kalk
Partner
partner: Montag Stiftung Urbane Räume gAG, Bonn + GAG Immobilien AG, Köln/ Cologne + Stadt Köln/ City of Cologne
Wissenschaftliche Begleitung
scientific support: Prof. Thomas Sieverts, Bonn + Prof. Rainer Danielzyk (ILS), Dortmund + Prof. Ulli Meisel (ILS), Aachen/ Aix-la-Chapelle
Team Stipendium team scholarship: Susanne Stübben, Köln/ Cologne + Sandra Bernien, Köln/ Cologne


© Figge/ Kölner Wochenspiegel

Die KALKschmiede* war ein auf Zeit angelegtes Projekt, welches 2009 im Rahmen eines Stipendiums von der Montag Stiftung Urbane Räume (MUR) und der GAG Immobilien AG ins Leben gerufen wurde. Nach eineinhalbjähriger Entwicklung wurde sie noch bis 2013 als Stiftungsprojekt der MUR weitergeführt.

Im Dialog mit der GAG Immobilen AG als immobilienwirtschaftlichem Partner mit großen Wohnungsbeständen im Handlungsgebiet, der Stadt Köln und weiteren Schlüsselakteuren wurde nach Strategien und passenden Instrumenten gesucht, um geplante Investitionen im Sinne einer sozial gerechten, unternehmerisch tragfähigen Stadtteilentwicklung wirksam werden zu lassen. Vor dem Hintergrund einer sich stark verändernden Rolle von Stadt und Kommune sollten im Prozess genau die Potenziale aktiviert werden, welche es zivilgesellschaftlichen und unternehmerischen Partnern ermöglichen, gemeinsam mit den Bewohnern integriert und abgestimmt Stadt zu entwickeln.


© Christopher Clem Franken

Die KALKschmiede* ist experimentell aufgetreten, aber immer mit dem Anspruch, gemeinsam mit Partnern vor Ort Anstöße und Impulse für die weitere Entwicklung des Quartiers zu geben und konkret zu verbessern. Sie hat einen Prozess moderiert, der die Investitionen in der Gegenwart und die Perspektiven für die Zukunft eng miteinander verzahnt, Identifikation stiftende Prozesse ermöglicht sowie (wohnungs-)wirtschaftliche und kommunale Handlungsräume eröffnet. Die KALKschmiede* hat eine Reihe von Werkzeugen und Formaten entwickelt sowie konkrete Projekten initiiert, die nun von den lokalen Partnern weitergetragen werden.

Publikationen publications
Sandra Bernien, Isabel Finkenberger, Susanne Stübben, Montag Stiftung Urbane Räume (Hrsg.): KALKschmiede*. Analyse, Konzept, erste Projekte. Köln, 2011.
Christian Holl, Montag Stiftung Urbane Räume (Hrsg.): Neue Partner für die Quartiersentwicklung. Die KALKschmiede* in Köln. Bielefeld, 2013.


 5. Unscharfe Grenzen. Nutzungsoffene Zwischenräume in urbanen Projekten 
 als Motoren und Stabilisatoren nachhaltiger Stadtentwicklung 

FORSCHUNG research

Jahr
year: 2009-2010
Auftraggeber client: Landesstiftung Baden Württemberg GmbH
Programm programme: Impulsfinanzierung Forschung - Zukunftssicherungsprogramm für Fachhochschulen und Berufsakademien
Institution institution: Hochschule Biberach/ University of Applied Sciences Biberach, Institut für Planungsgrundlagen/ Institute for Planning Fundamentals
Team team: Ute Margarete Meyer, Susanne Krosse, Susanne Ritter

Anlass und Ziele

Gesellschaftlicher Wandel spiegelt sich stets in einer veränderten Nutzung von Raum. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den Anforderungen, die sich für Architektur und Stadtplanung aus einer fortschreitenden Ausdifferenzierung individueller Lebensentwürfe ergeben. Eingebunden ist diese „Subjektivierung“ von Raum in immer enger und komplexer werdende Wechselbeziehungen zwischen territorialen Entwicklungen. Dies gilt im nationalen wie internationalen Rahmen und gerade in Europa schlägt sich die Konkurrenz der Städte und Ballungsräume um Wachstumschancen vielfach in einer Erweiterung und Spezialisierung der Angebote auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt aber auch im Bildungs- und Freizeitsektor nieder.
Gleichzeitig ist festzustellen, dass es zwei parallel laufende „Diskussionsstränge“ gibt: Einmal geht es um die Frage, inwieweit durch räumliche Entwicklungen eine Bindung bestimmter Zielgruppen an einen Standort gefördert werden kann, um zur wirtschaftlichen Prosperität einer Stadt (respektive des Quartiers oder der Region) beizutragen (Stichworte: Creative Class, „Wohnen im Eigentum in der Stadt“, etc.). Daneben steht ein Diskurs inwieweit räumliche Entwicklungen integrationsfördernd und damit sozial wirksam sein können (Stichworte: Mehrgenerationenhäuser, Quartierszentren, etc.). Im politischen Raum wächst nun die Einsicht, dass nur mit integrierten Entwicklungen, die beiden Aufgaben Rechnung tragen, langfristig stabile Stadtentwicklungspolitik betrieben werden kann.

Hier setzt das Forschungsprojekt „Unscharfe Grenzen“ inhaltlich an. Im Blickfeld liegen öffentliche, kollektive, gemeinschaftliche Innen- und Außenräume, die offen, d.h. ohne fixierte Nutzung konzipiert sind. Es werden also nicht eindeutige öffentliche Räume (Straße, Platz, etc.) oder „klassische“ Gemeinschaftsräume (Speisesaal, etc.) ausgewählt, sondern Raumsituationen, die eine Reihe möglicher Nutzungen zulassen, und an Schnittstellen gelegen sind.
Forschungsziel ist es, in einer europaweiten Untersuchung Projekte zu dieser Fragestellung zusammenzutragen, zu analysieren und zu bewerten. Auf dieser Datenbasis soll die systematische Definition von Parametern erfolgen, mit deren Hilfe die Wirkungsweise eines Projekts als informeller Begegnungsraum beschrieben werden kann. Den räumlich/ formalen Merkmalen der Projekte wird dabei derselbe Stellenwert beigemessen wie ihrem programmatisch/ strategischen Zuschnitt und Aspekten der Prozessgestaltung in Initiation, Konzeption und Umsetzung.

Innovationsgehalt

Seit über zehn Jahren wächst die Einsicht, dass Ziele einer nachhaltigen Stadtentwicklung weniger durch die gezielte Ausweisung spezifischer Nutzungsbereiche, sondern eher durch eine verträgliche Mischung unterschiedlicher Nutzungen zu erreichen sind. Vorliegende Forschungsarbeiten untersuchen dabei häufig die rechtlichen Aspekte stadtplanerischer Instrumente, um solche Nutzungsmischungen umzusetzen. Weiter wird in zahlreichen Untersuchungen der Aspekt einer funktionsgemischten räumlichen Stadtstruktur rückgebunden an das Vorbild der historischen (europäischen) Stadt. In diesen Fällen wird zumeist auch ein direkt daran geknüpftes Bild von „urbanem Leben“ transportiert. Eine Beobachtung neuer Formen der Gemeinschafts- oder Öffentlichkeitsbildung (Zwischennutzung, Ereignisfokussierung, etc.) fließt in diese Betrachtung bislang wenig ein.
Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel, hier eine Lücke zu schließen. Im Sinne der von Robert Musil getroffenen Definition des „Möglichkeitssinns“ 1 wird die Frage der Nutzungsmischung und Nutzungsoffenheit als eine Suche nach „Möglichkeitsräumen“ aufgebaut. Wirkungszusammenhänge sollen erfasst werden, die auf einem Wechselspiel formeller und informeller Aspekte – räumlich wie funktional – beruhen, dem ganz eigene Qualitäten (Flexibilität, Ergebnisoffenheit, Pragmatismus, etc.) eigen sind.

Die anhand der internationalen Recherche gewonnenen Erkenntnisse können für die Zukunft Material und Anregung liefern, um konkrete Handlungsparameter für aktuelle planerische Aufgabenstellungen zu entwickeln, darüber hinaus aber auch als theoriebezogene Basisdaten festgehalten werden.

Projektrecherche project research
Young Vic Theatre, London (GB) / Idea store, London (GB) / Coin Street Neighbourhood Centre, London (GB) / A8ernA, Zaanstad (NL) / De Kamers, Amersfort (NL) / Prags Boulevard, Kopenhagen (DK) / Sjakket Youth Centre, Kopenhagen (DK) / Le Blok, Marseille (F) / Mehrgenerationenhaus West, Stuttgart (D) / Park Fiction, Hamburg (D) / Bildungszentrum Tor zur Welt, Hamburg (D) / Lesezeichen Salbke, Magdeburg (D) / Biblioteca de Sant Antoni, Barcelona (ES) / Biblioteca Torre-Pacheco, Torre-Pacheco (ES) / Dreirosenanlage, Basel (CH) / Urban Lounge, St. Gallen (CH) / Centrum O-Dorf, Innsbruck (A) / Stanica Zilina, Zilina (SK)